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Under der Oberfläche
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Zwischen Land und Meer

Im Mai 2024 bin ich auf einer Reise durch Norwegen unterwegs und auf der Suche nach besonderen Orten, die ich fotografisch festhalten möchte. Bei meiner Recherche stoße ich auf einen Ort, der sofort meine Aufmerksamkeit weckt: Under – ein Restaurant an der Küste von Lindesnes, das zum Teil unter der Meeresoberfläche liegt. Also führt mich meine Reise ganz bewusst hierher.

Schon von außen wirkt das Gebäude ungewöhnlich. Wie ein massiver Betonkörper liegt es zwischen den Felsen und reicht schräg von der Küste hinunter ins Meer. 34 Meter lang ist der von Snøhetta entworfene Bau, dessen tiefster Teil direkt auf dem Meeresboden liegt – rund fünf Meter unter der Wasseroberfläche.

Mein erster Gedanke, als ich davorstehe: Wow!

Die Architektur wirkt massiv und reduziert zugleich. Statt sich von der Landschaft abzugrenzen, scheint das Gebäude mit der Küste und dem Meer verbunden zu sein. Genau diese Verbindung war Teil des Entwurfs: Die raue Betonoberfläche soll mit der Zeit von Muscheln, Algen und anderen Meeresorganismen besiedelt werden und so zu einem künstlichen Riff werden.

Der Weg nach unten

Am Nachmittag bekomme ich die Möglichkeit, Under exklusiv zu fotografieren. Noch bevor am Abend die Gäste kommen, kann ich mich in Ruhe durch das Restaurant bewegen und die Architektur mit meiner Kamera entdecken.

Schon beim Betreten verändert sich die Atmosphäre.

Von der rauen Küste führt der Weg zunächst in einen mit Eichenholz gestalteten Eingangsbereich und anschließend immer weiter hinunter Richtung Meer. Besonders fallen mir dabei die Farben auf. Während ich die Treppen nach unten gehe, verändern sich die Farbtöne über mir.

Das ist kein Zufall. Die mit Textilien verkleideten Deckenelemente wurden bewusst als Teil dieses Übergangs gestaltet. Ihre Farben orientieren sich an einem Sonnenuntergang, der langsam im Meer versinkt. Je weiter man nach unten geht, desto mehr entsteht das Gefühl, die Welt oberhalb der Wasseroberfläche hinter sich zu lassen.

Für mich ist genau dieser Übergang auch fotografisch besonders spannend. Linien, Materialien, Farben und Licht verändern sich mit jedem Bereich. Ich habe Zeit, nach Perspektiven zu suchen, Details festzuhalten und die Räume so zu fotografieren, wie sie auf mich wirken.

Und schließlich erreiche ich den tiefsten Teil von Under.

Mehr als ein Restaurant

Im tiefsten Teil von Under öffnet sich der Raum zu einem großen Panoramafenster. Rund fünf Meter unter der Meeresoberfläche liegt dahinter keine inszenierte Unterwasserwelt, sondern das Meer selbst. Fische ziehen vorbei, Quallen schweben durch das Wasser – und was vor dem Fenster zu sehen ist, verändert sich mit Licht, Wetter und Jahreszeit.

Under wurde zwischen 2016 und 2019 vom norwegischen Architekturbüro Snøhetta entwickelt. Der Name selbst spielt mit der norwegischen Sprache: „Under" kann sowohl „unter" als auch „Wunder" bedeuten. Seit seiner Eröffnung wurde das Restaurant mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit einem Michelin-Stern seit 2020.

Doch das Gebäude wurde nicht ausschließlich als Restaurant konzipiert. Es dient gleichzeitig der Meeresforschung. Kameras und Messinstrumente am und außerhalb des Gebäudes ermöglichen es Forschungsteams, das Verhalten, die Populationen und die Artenvielfalt der Meeresbewohner rund um Under zu untersuchen.

So verbindet Under Architektur, Gastronomie und Meeresforschung an einem außergewöhnlichen Ort.

Zurück als Gast

Am Nachmittag hatte ich den Raum noch für mich und betrachtete ihn durch die Kamera. Wenige Stunden später kehre ich gemeinsam mit Mario zurück – diesmal als Gast.

Mit Einbruch des Abends verändert sich Under erneut. Das Licht wirkt jetzt grünlicher und verleiht dem Raum eine ganz andere Atmosphäre. Wo ich wenige Stunden zuvor noch nach Linien, Perspektiven und Bildausschnitten gesucht habe, sitze ich jetzt selbst mitten in diesem außergewöhnlichen Restaurant.

Auch beim Essen bleibt die Verbindung zur Umgebung bestehen. Die Küche von Under legt ihren Schwerpunkt auf Zutaten aus der Region und auf Produkte, die eng mit der Küste und dem Meer verbunden sind. Durch das große Panoramafenster ziehen immer wieder Fische und Quallen vorbei und erinnern daran, dass wir uns unter der Meeresoberfläche befinden.

Als wir später wieder nach draußen kommen, liegt die Küste im blauen Licht des Abends. Das warme Licht aus dem Eingang fällt auf den Beton, während ein Teil des Gebäudes im Meer verschwindet.

Under ist für mich nicht nur wegen seiner außergewöhnlichen Lage unter der Meeresoberfläche in Erinnerung geblieben. Es ist das Zusammenspiel aus Architektur, Licht und Meer, das diesen Ort so besonders macht.

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